Jean-Michel Jacquemin-Raffestin

« On peut tromper tout le monde pendant un certain temps et certains pour toujours, mais on ne peut pas tromper tout le monde éternellement. » Abraham Lincoln

Чорнобиль – Tchernobyl – Chornobyl   Czarnobyla

Tschernobyl – Ciernobil – Чернобыль  –  Chernobyl

Fukushima - 福島 - Фукусима - Fukishima

 « Une erreur n’est pas une vérité parce qu’elle est partagée par beaucoup de gens. Tout comme une vérité n’est pas fausse parce qu’elle est émise par un seul individu. » Gandhi

Biografie

 

Nichts deutete darauf hin, daß Jean-Michel Jacquemin-Raffestin eines Tages Schriftsteller werden sollte und noch weniger, daß er sich besonders mit der ökologischen und gesundheitlichen Konsequenzen der Tschernobyl Wolke beschäftigen sollte.

Er ist seit 18 Jahren leitender Angestellter in einer Werbeagentur, als der Hauptaktionär in Pension geht und seine Anteile verkauft. Die Firma wird von der « Holding » des anderen Teilhabers aufgekauft. Dieser schlägt vor, Jean-Michel eine Gesellscheft an verkaufen, die dieser seit 1 Jahr innehat. Natürlich wird alles ohne Garantie des Passiva gekauft !

Einen Monat nach der Unterzeichnung, sendet ihm der Bankdirektor einen Brief mit der Erklärung, daß die Gesellschaft nicht mehr Teil der Holding mit 800 Millionen FFr. (122 Millionen €) des Umstzes sei und, daß ihm von jetzt an 3 Monate blieben, die 1,3 Millionen FFr. (200.000 €) der Verbindlichkeiten zu begleichen.

Die Firma ist verschuldet, die Banken wollen ohne Kaution keinen Kredit mehr geben, das Gebaüde ist mit einer Hypothek belastet, um die fälligen Zahlungen zu sichern. So hat es nur  2 Jahre gedauert, die gesamten Anschaffungen seines gesamten Arbeitsleben zu verlieren. Er trennt sich von seiner Frau, die Firma wird liquidiert, die Gebaüde werden versteigert, um die Schulden zu begleichen und die Konten beschlagnahmt.

Es bleiben ihm nur einige Freunde, nicht unbedingt die, welche er sich in diesem Fall ausgesucht hätte, aber die wahren. Sie mieten ihm eine Wohnung, leiten ihm ein Auto und zahlen ihm die laufenden Rechnungen wie Strom, Telefon, usw.

In dieser Situation Stoßt Jean-Michel auf eine Fernsehreportage über die Kinder von Tschernobyl. Am darauffolgenden Tag, nimmt er Kontakt mit der Pariser Assoziation auf, spricht mit der Vorsitzenden, und 3 Wochen später ist er unterwegs in die Ukraine.

Dort eingetroffen, findet er noch viel schlimmere Zustände vor als in der Fernsehreportage geschildert ; er, der nie zuvor mit solcher Misere konfrontiert gewesen war, geschützt im bequemen Leben eines Kleinbürgers. Er sieht die leidenden Kinder, den Mangel an Arzneimitteln, an Betten und an medizinischen Ausstattungen in den Ukrainischen Krankenhaüsern.

Nach Frankreich zurück gekehrt, stellt er Berichte internationaler Organisationen zusammen und beginnt seine eigenen Recherchen über die Situation in der Ukraine, sowie Weißrußland und der Sovietunion. Das Buch wird von der Pariser Verlagen abgelehnt : es sei sehr gut dokumentiert, doch die Franzosen hätten kein Interesse an Geschehnissen, die sich in 1300 Km. Entfernung abspielten, es sei also schlecht verkaüflich.

Zu dieser Zeit kommt eine bekannte Persönlichkeit nach Frankreich und Jean-Michel fährt zum Militär-Stützpunkt in Reims, um der dortigen heiligen Messe beizuwohnen ; auf dem Rückweg kommt er zu der richtigen Entscheidung : er beschließt, den Papst persönlich zu bitten, das vorwort zu seinem Buch zu schreiben ; nur so kann er sicher sein, daß er erscheinen wird.

Nun nimmt alles einen überraschenden Verlauf : das erzbischöfliche Amt von Paris leitet sein Anliegen an die Nuntiatur weiter, das heißt an Monseigneur Lorenzo Frana, den Vertreter des Vatikan’s bei der UNESCO.

Am folgenden Tag, nach dem Telefongespräch mit der Nuntiatur, wo man ihn bereits erwartet, verspricht ihm Monseigneur Frana eine Audienz beim Papst : drei Monate später steht Jean-Michel vor ihm. Er präsentiert sein Manusskript und fragt, ob er bereit sei, die Einleitung zu seinen Buch zu schreiben. « Noch nie hat jemand gewagt, dies beim Papst zu erbitten », bemerkt ein Kardinal. Man schlägt ihm vor, Kardinal Etchégarray zu fragen, aber da stellt der Papst die Frage, durch die sich sein Leben ändert : « Haben Sie in Ihrem Land darüber nachgeforscht ? »

Nein, bei uns ist die Tschernobyl Wolke an der Grenze stehengeblieben..... dachte Jean-Michel damals.

Wieder in Frankreich, trifft er einige Tage später Monseigneur Michel, Erzbischof der Ukraine, der ihm genau die gleiche Frage Stellt.

Da sagt er sich : die Botschaft ist eindeutig ; in den folgenden Monaten stellt er Nachforschungen in Frankreich an. Die Puzzlestücke passen nach und nach zusammen. Die Treffen mit Epidemiologen und Krebsspezialisten führen alle auf eine einzige Person zurück, die seit 1966 eine Datensammlung der Schilddrüsenkrebserkrankungen angelegt hat, und dies bereits 20 Jahre vor der Katastrophe. Diese Person hatte gerade die Bilanz des Jahrzehnt’s 1986-96 fertiggestellt. Nun werden immer mehr Kontakte aufgenommen. Das CRII-Rad (Commission de Recherche et d’Information Indépendantes sur la Radioactivité) (Unabhängige Forschung- u. Informationskommission über Radioaktivität) gibt ihm die Möglichkeit wichtige Dokumente einzusehen.

Das nächste Buch ist in Vorbereitung, ein polemisches, zu dem kein Kardinal die Einleitung schreibt. Durch Zufall trifft er eine andere Französichen bedeutende Persön-lichkeit : Theodore Monod. Dieser große Weise schreibt die Einleitung des ersten Buches, erschienen im Oktober 98 :

« Ce fameux nuage – Tchernobyl, la France contaminée »

(« Die berühmte Wolke – Tschernobyl – auch Frankreich ist verseucht ! »)

Gleich nach dem Erscheinen wird Jean-Michel von Yves Calvi (bekanntem Fr. Journalist) bei Radio « Europe 1 » eingeladen. Die Telefone sind überlastet – das Thema interessiert !

In der folgenden Woche ist Jean-Michel mit seinem Auto unterwegs. Nach ein paar Kilometern, löst sich plötzlich sein hinterrad und er überschlägt sich fünfmal ... ein etwas merkwürdiger Zufall !

Das Rad kommt ins Rollen, die Schilddrüsenkranken gründen ab Februar 1999 eine Selbsthilfegruppe. Jean-Michel wird Ehrenmitglied und Verantwortlicher für die Presse. Radiosendungen, Fernsehreportage bringen Bewegung in die Angelegenheit, das vergriffene Buch erscheint aktualisiert in einer neuen Auflage ; bald darauf kommen Kranke zum Entschluß, Klage zu erheben, wovon die Ersten, die damaligen Minister betreffend, ziemlich schnell abgewiesen werden. Die Selbsthilfegruppe erhebt 50 Klagen, bald sind es 125, dann 200. Die Befragungen der betroffenen Kranken geben Anlaß zum Erscheinen des zweiten Buches :

« Tchernobyl aujourd’hui les Français malades »

(« Tschernobyl heute – auch Franzosen sind betroffen »)

In der Zwischenzeit, am 7. Juli, brannte es in Jean-Michel’s Wohnung als Folge eines Kurzschlusses ; der elektrische Heizkörper hatte sich wie von selbst wieder eingeschaltet, obwohl niemand anwesend war... !

Jean-Michel’s Unternehmen, sein Kampf motiviert IPNS (Institut de Protection et de Sûreté Nucléaire) (Staatliche Institution der Atomschutzsicherheit) und InVS (Institut de Veille Sanitaire) (Institut für Sanitätswache), worauf der Präsident des OPRI (Office de Protection contre les Rayonnements Ionisants) (Strahlschutzamt) ihm bestätigt, eine epidemiologische Untersuchung über die Konsequenzen des Tschernobylunfalls zu erstellen. Der Bericht, am 15. Dez. 2000 veröffentlicht, wird lebhaft kritisiert : im 30-Seiten langen Kapitel in « Tschernobyl heute – auch Franzosen sind Betroffen ». Seine Nachforschungen bringen den hervorragenden Bericht des ORS (Regionales Gesundheitsamt) von Korsika an den Tag. Dieser, obwohl außerordentlich aufsclußreich, blieb 14 Jahre lang unveröffentlicht.

Seine Begegnung mit Jean-Guy Talamoni, dem Präsidenten der Korsischen Nationalversammlung in derEuropäischen Union, macht den Weg zu einer Abstimmung frei, derzufolge eine epidemiologische Unterforschung auf der Insel durchgeführt werden soll.

Ein drittes Buch erscheint im April 2002 :

« Tchernobyl, conséquences en France : J’ACCUSE ! »

(« Tschernobyl – die Folgen in Frankreich – Ich klage an »)

Dieses Mal wird er Opfer von acht Messerstichen...

Jean-Michel’s Vorgehen erfolgte ohne Hintergedanken, ohne jeglichen Vorbehalt oder spezieller Kenntnisse für oder gegen Atomkraft. Das Pech alles verloren zu haben, ist für ihn zur Chance geworden. Er, der alles verloren hatte, konnte nichts mehr verlieren und er fühlte sich frei für dieses Abenteuer. So lernte er den Einfluß der Fr. Atomkraftlobby kennen ; mehrere Ärzte und Professoren, die ihm Berichte zukommen ließen, wollten wegen Erpressungsgefahr namentlich nicht genannt werden.

Die Geschichte geht weiter mit dem nächsten Buch :

« Coupables d’être victimes. »

(« Zum Opfer geworden – zum Schuldingen gemacht ! »)

Zum 20. Jahrestag von Tschernobyl – 2006 – erscheint sein nächstes Buch :

« Cachez ce nuage que je ne saurais voir… »

(« Verhüllt diese Wolke – niemand soll sie sehen »)